Sonntag, 19. August 2012

Jede/r kann Vorstand: Losen wir


Am letzten Schwarmtisch der Greifswalder Piraten sprachen wir über die anstehende Wahl des Landesvorstands.
Was ist das für ein Amt?

Wollen wir einen rein formalen Vorstand, der dem Parteiengesetz genüge tut, oder wollen wir einen aktiven, gestaltenden Vorstand?

Durch Parteiengesetz und Satzung ergibt sich die Notwendigkeit einer Vorstandswahl.

Wie gehen wir damit um?

Ich schätze und teile den basisdemokratischen Ansatz der Piratenpartei.
Einem Vorstand messe ich persönlich keine größere Bedeutung bei, als dass es ihn aufgrund des Parteiengesetz noch geben muss.

Auf dem letzten Schwarmtisch machte ich spontan den Vorschlag, sowohl Vorstandskandidaten, als auch später den Vorstand auszulosen.
Der ausgeloste Vorstand kann dann durch eine Wahl bestätigt werden, um dem Parteiengesetz zu entsprechen.
Losen sehe ich als basisdemokratische Aktion: Jede/r kann Vorstand.

Was meint Ihr?




Kommentare:

  1. Guten Abend Susanne,

    dein Vorschlag irritiert mich.

    Du schlägst vor, eine demokratische Wahl durch eine Auslosung zu ersetzen? Das finde ich sehr undemokratisch, da nicht der Wille der Mitglieder abgebildet wird, sondern (im allerbesten Falle) der Zufall.

    Weiterhin schlägst du vor, eventuelle Probleme mit dem Parteiengesetz durch eine Bestätigungswahl zu lösen. Spätestens hier sehe ich große Probleme, da (erneut) nicht der Wille der Mitglieder gefragt ist, sondern eine demokratische Entscheidung einer "Krönungszeremonie"´weichen soll.

    Meine Fragen an dich:

    1. Warum soll ein Vorstand nicht analog zum Bundestag allgemein, frei, unmittelbar, gleich und geheim gewählt werden? Warum wäre dies nicht basisdemokratisch? Welche Vorteile hat eine Auslosung gegenüber einer Wahl?

    2. Inwieweit ist ein nach demokratischen Mitteln gewählter Vorstand nicht gestaltend oder aktiv?

    Beste Grüße,
    Niels.

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    1. Lieber Niels,
      Mein Hintergrund:
      Ich wünsche eine Parteien ohne Hierarchien und höre das auch von anderen.
      Ich befürworte direkte Demokratie und Basisdemokratie.
      Das Amt des Parteivorsitzenden finde ich unnötig, lediglich das Parteiengesetz schreibt es vor.
      Die Bestätigung des Los-Ergebnisses durch eine Wahl ist keine Krönungszeremonie,sondern einer Forderung aus dem Parteiengesetz geschuldet, die wir damit minimalistisch erfüllen.
      Antwort 1:
      Die Auslosung betont unseren basisdemokratischen Anspruch, der eigentlich keinen Vorstand braucht.
      Allenfalls Koordinatoren, Organisatoren, Sprecher,...also der Basis dienende Organisationsstrukturen. Schon das Wort "Vorstand" ist altertümlich und unpassend.
      Vielleicht wäre auch eine Wortneuwahl sinnvoll.

      An" Vorstand" klebt noch sowas wie "Chef".

      Das möchte ich gerne überwinden, da ich es als hinderlich für die politische Arbeit und als nicht mehr zeitgemäß empfinde.

      Die Basis ist Chef. Wie drücken wir das in unseren Strukturen noch deutlicher aus, so dass z.B auch die Presse Antworten und Ansprechpartner aus der Basis akzeptiert und nicht automatisch nach dem Vorstand fragt ?
      Das beschäftigt mich.
      Losen drückt das aus. Einer von uns übernimmt für bestimmte Zeit dieses Organisationsamt. Jede/r kann das, da es nur eine Formalie ist.

      Antwort 2:

      Ich habe ja gar nicht die Auffassung dass der Vorstand gestaltend oder aktiv sein soll.
      Die Basis, jede/r einzelne ist gestaltend aktiv.
      Das ist das Wesentliche. Einen Vorstand haben wir in meiner Auffassung des Amts, rein aus formalrechtlichen Gründen. Das ist eben noch so vorgeschrieben.

      Piraten mit Chef/ Vorstand geht gar nicht finde ich.
      Wir sind doch eher eine Gruppe freier und eigenverantwortlicher Leute und ich wünsche mir eine Struktur, die das auch widerspiegelt.

      Soviel erstmal am Morgen...
      Liebe Grüße, Susanne






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  2. gute idee.

    dann sollte auch die mdb und alle politiker erwürfelt werden. unwichtig was ein mensch kann. wir sollten würfeln. was soll schief laufen? vielleicht sitzen dann nur nazis im bundestag aber sie durften würfeln.

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    1. Meine Vorschlag war das Vorstandsamt zu losen.
      Ich glaube nicht das wir viele Nazis ist der Gruppe haben.

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    2. nazis vielleicht nicht. vielleicht doch. losen ist kein demokratischer prozess und ich mag nicht alle menschen gleich. sie können auch nicht alle das selbe zum glück sind wir alle unterschiedlich. deswegen will ich mein wahlrecht behalten. die piraten in mecklenburg vorpomern kann ich nicht beneiden wenn da solche ideen ernsthaft diskutiert werden.

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    3. Ich will nicht das Wahlrecht abschaffen.
      Ich will gar nichts abschaffen, sondern ich denke nach.
      Ich denke über eine Form/Struktur nach, die zu meinem Politikverständnis passt.

      Der Piratenvorstand hat mich rein formellen Charakter.
      Parteivorstände und Abgeordnete dienen der Basis, bzw. dem Wähler.
      Das ist mein Demokratieverständnis..
      Parteivorstände werden in der Öffentlichkeit schon als Richtungsgeber wahrgenommen, manchmal auch in der Partei selbst.
      Schieflagen können dadurch entstehen.
      Ich lege keinen Wert auf eine orange FDP, noch möchte ich so ein Scheitern wie bei den Grünen erleben.
      Ein bisschen Öko und ansonsten das Übliche.

      Ich bin an einem neuen Politikstil interessiert. Unreflektiert diesen ganzen Vorstandskram zu übernehmen gefällt mir nicht.
      Die immer wieder geäußerte Idee Interviewanfragen, die an den Vorstand gerichtet sind, an interessierte Personen weiterzuleiten ist hervorragend, aber das findet so gut wie nicht statt.
      Das z.B,irritiert mich und ich frage mich, was die Gründe dafür sind.
      Es stört mich auch, dass beim Vorstand der Eindruck entstehen kann, ich sei mit der bisherigen Arbeit unzufrieden, bloß weil ich den häufigen Wechsel in dieser Position generell für wichtig erachte.
      Macht spielt, trotz bester Absichten, leicht eine Rolle.
      Mit der Los-lösung wäre das Machtproblem deutlich entschärft.

      Liebe Grüße, Susanne

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    4. losen ist keine demokratie sondern willkür. wir menschen sind nicht alle gleich und es gibt genügend leute die in einen vorstand wollen um macht zu haben. die werden normal nicht gewählt aber dann plötzlich gelost. ganz toll.

      deine vorstellung sind ja eigentlich gut aber was die entmachtung eines vorstandes angeht... wer will denn in vorstand um zu haften was andere entscheoden?

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    5. Die Haftung ist ein Aspekt an dem sicher vieles hängt...
      Frage an Wolfgang H. : Wie macht ihr das im Hamburger Netzwerk mit der Haftung?
      Liebe Grüße, Susanne

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  3. Hallo Susanne,

    "jeder kann Vorstand" ist ein wunderbarer Gedanke. Allerdings hat jede Person einige Bereiche in denen er kompetenter ist als in anderen Bereichen. Manchmal weiß man das aber noch nicht ganz genau und erfährt es erst im Laufe der Zeit. Gehen wir davon aus, dass wir einen Vorstand herbei losen. Dieser ist voller Tatendrang und merkt innerhalb der ersten Zeit, dass das Amt das er bekleidet, einfach nicht auf ihn zugeschnitten ist. Dann können drei Dinge geschehen:

    1. Das Vorstandsmitglied ist unmotiviert und kümmert sich nicht mehr um das Amt.
    2. Das Vorstandsmitglied tritt zurück.
    3. Das Vorstandsmitglied wendet viel Zeit auf um seine Schwäche zu überwinden.

    Zumindest die ersten beiden Varianten schüren unnötigen Unmut.

    Warum ist es nicht wenigstens genauso basisdemokratisch, wenn sich eine Personen aufstellt, die sich aufgrund ihrer persönlichen Eignung für das Amt berufen fühlt _oder_ ich eine Person vorschlage, die ich - aufgrund der Erfahrung die ich mit ihr sammeln konnte - für geeignet halte?

    Beste Grüße,
    Norman

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    1. Lieber Norman,

      Zu meinem Los- Vorschlag gehört natürlich die Strukturfrage,
      Wie wollen wir uns organisieren, dass es wirklich basisdemokratisch ist?
      Welche Ämter soll es geben? Was brauchen wir?
      Den Posten "Vorstand" haben wir eigentlich bloß geerbt und ich frage mich, ob das zu uns passt, oder ob es ein Amt ist das der Basisdemokratischen Entwicklung im Weg steht.
      Ich begrüße diese Diskussion.
      Bis später, Susanne

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    2. Hallo Susanne,

      ich halte die Strukturfrage für eine wichtige Diskussion.

      Recht hast du damit, dass wir den Vorstand lediglich geerbt haben. Ich persönlich sehe aber keinen Moment in dem der Vorstand uns wirklich in der Ausübung unserer basisdemokratischen Prinzipien behindert. Solange der Vorstand lediglich verwaltend agiert und nicht programmatisch in dem Sinne, dass er von oben herab Themen als Programmpunkt beschließt, kann uns diese Struktur sogar von Vorteil sein. Immerhin haben wir somit Menschen am Werk, die sich - bestenfalls - mit Herzblut engagieren und die Verwaltung des LV oder der Bundespartei übernehmen. In meinen Augen wäre die einzige Alternative, dass sich irgendwelche Piraten darum kümmern, die eventuell später merken, dass die neuen Aufgaben ihre Fähigkeiten überschreiten.

      Hast du denn das Gefühl, dass der Vorstand uns in der Ausübung unserer basisdemokratischen Prinzipien behindert?

      Viele Grüße,
      Norman

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    3. Ja. Schon die Namen "Vorstand" ,"Generalsekretär" passen nicht zu unserer basisdemokratischen Partei.
      Ich finde es auch besser, die Aufgaben des Vorstands auf noch mehr Personen zu verteilen und diese Aufgaben nicht in einer Art "Leitungsamt" zu bündeln.
      Behindern trifft es nicht. Absichtlich schon gar nicht.
      Ich finde diese alte Form einfach unpassend

      Liebe Grüße, Susanne

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  4. Hallo Susanne,

    Deine Frage hat mich zu folgender Überlegung angeregt:
    Vereine sind in Ihrer Rechtsform vor allem auch notwendig um Geld bewegen zu können, gerade ein gemeinnütziger Verein und dieses vor dem Staat zu verantworten.

    Ich spinne jetzt einmal: alle Steuern und Abgaben fallen weg, es gibt nur noch Steuern auf den Konsum. Da ein Verein kein Wirtschaftsunternehmen ist, fällt somit dieser ganze Steuer und Abgabenbereich weg. Niemand von außen muß aus diesem Grunde aufpassen.

    Wozu braucht es dann noch diesen Vorstand? Die Möglichkeiten sind dann frei.
    Es gibt dann Aufgaben, Aufgaben die notwendig sind, wer übernimmt diese Aufgaben, wem trauen wir dies zu. Wer traut es sich selber zu?

    Ist so eine Form heute schon möglich?
    Im Hamburger Netzwerk haben wir eine Form: Ganz kleiner Verein für die Finanzen.
    Das Netzwerk ist frei, ist kein Verein, hat einen Sprecherkreis der sich je nach Lage erweitert. Das sind diejenigen, die diese Verantwortlichkeit tragen können. Die anderen sind Beteiligte im weiteren Umfeld.

    Ein Versuch, was denkt Ihr.

    Liebe Grüße

    Wolfgang

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    1. Steuern, Vereine,.....Darüber denke ich weiter nach....

      Ich denke eine passende Form können wir heute entwickeln... ich finde das sogar sehr wichtig, denn ein unpassender Rahmen ist vielleicht ähnlich lästig wie ein unpassender Schuh.
      Liebe Grüße, Wolfgang, Susanne

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  5. http://de.wikipedia.org/wiki/Demarchie

    Auszug: "In Buch 4 (1294b) der Politica schreibt Aristoteles:
    Ich bin beispielsweise der Meinung, dass es als demokratisch anzusehen ist, wenn die Herrschenden durch das Los bestimmt werden, während Wahlen als oligarchisch betrachtet werden müssen."

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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